Neo-Krautrock of the day:
Camera - Ausland
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Neue, aber alte Platten - und es wird wieder krautgerockt: Mit Kluster, Moebius und Can haben wir auch gleich die Prominenz der experimentellen 1970er-Teutonenelektronik/-psychedelik im Boot. Von den zwei erstgenannten Projekten wurden soeben Reissues auf Bureau B veröffentlicht: hier, hier und hier.
Beim Material von Can handelt es sich jedoch um bisher Ungehörtes. Denn das kürzlich via Mute erschienene “The Lost Tapes” beinhaltet 30 unveröffentlichte Stücke aus dem Zeitraum 1968-1977. Die klingen z.B. so:

Und wieder Krautrock-Reissues: Manuel Göttsching hat alle fünf Alben seines Projektes Ashra Tempel und zudem seine erste Soloplatte “Inventions For Electric Guitar” remastered und neuaufgelegt - also quasi eine Werkschau seines einflussreichen Frühwerks aus der ersten Hälfte der 1970er. Die damalige Zusammenarbeit u.a. mit Klaus Schulze, Conny Plank und Beatpoet Timothy Leary zeugt von der Experimentierfreude jener Zeit und dem “anything goes”-Charakter der Krautrock-Ära: take a trip to outerspace. Dass Göttsching dann später noch mit “E2-E4” einen Grundpfeiler für folgende Technoproduktionen schuf, muss hier strebermässig noch erwähnt werden. Aber jetzt ab in den Tempel.

CAN sind wohl eines der, wenn nicht sogar das Aushängeschild des frühen 1970er Phänomens “Krautrock”. Ihr experimentierfreudiger Sound beeinflusste spätere Bands wie Sonic Youth, Tortoise, Primal Scream oder Mars Volta. Jazz zu Rock zu Psychedelic zu Elektronik zu Wabber zu Klangschleifen - die Gruppe mit Bassist und Stockhausen-Student Holger Czukay blieb im Vergleich zu später anschliessenden Entwicklungen wie etwa dem Progrock-Gedudel irgendwie immer etwas “entrückter” und eklektischer.
Nun feiert dieses Jahr das -damals dritte- Can-Album “Tago Mago” sein 40-jähriges Jubiläum und wird am 14. November via Mute wiederveröffentlicht (nächstes Jahr dann der gesamte Back-Katalog). Bereits vorher gibt es entsprechendes Programm: So beginnt heute als Hommage an die Band die Ausstellung “Halleluwah!” in Stuttgart, welche thematische Arbeiten von vielen Kunst-Stars wie Daniel Richter (übrigens auch Buback-Labelboss) und Albert Oehlen präsentiert. Am 24. November wandert das Ganze weiter nach Berlin. Weiters wird Can-Mitglied Irmin Schmidt zusammen mit Labelkollege Kumo an zwei Oktoberterminen in Aix en Provence unveröffentlichtes Material der Gruppe performen.

Und wieder ist ein bedeutender Künstler dieses Jahr aus dem Leben geschieden. Conrad Schnitzler erlag laut seiner offiziellen Fanseite vergangenen Donnerstag, den 4. August, einem Magenkrebsleiden. Schnitzler, auch “Con” genannt, bezeichnete sich selber als Tonarbeiter und war Ende der 1960er Mitbegründer der Experimentalband Kluster. Er besorgte Kraftwerk einen ihrer ersten Synthesizer und war mit Klaus Schulze am “Electronic Meditation”-Album (1970) von Tangerine Dream beteiligt.
Lange also bevor der Begriff “Industrial” überhaupt aufkam, erforschte der Beuys-Schüler bereits industriell-maschinelle Klangästhetik. Nach dem Split von Kluster (seine Kollegen Roedelius und Moebius machten als Cluster weiter) blieb Con auch solo bis in´s hohe Alter produktiv. Zu den Verehrern seines Oeuvres gehörte u.a. Euronymous (!) der norwegischen Blackmetalband Mayhem. In den letzten Jahren verschickte Con seine Soundkreationen auf selbstgebrannten Cds mit seinem Fingerabdruck als Signatur an seine Fans in aller Welt. Conrad Schnitzler wurde 74 Jahre alt. Unser Beileid seiner Familie und Freunden.
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